This essay I made once for school
Anna Andrejewna Achmatowa wird auch 'Seele des Silbernen Zeitalters' genannt.
Sie war eine russische Dichterin, deren Gedichte stark von der Herrschaft Stalins geprägt waren.
Anna wuchs in einer gehobereren Familie auf, sie war im exklusiven Lyzeum von Zarskoje Selo, studierte danach außerdem noch Jura und Liturguegeschichte.
Ihr Leben sollte aber nicht weiterhin so rosig aussehen. Nachdem sie mehrere Gedichtsbände rausgab, durften ihre Gedichte nicht mehr gedruckt und veröffentlicht werden, da sie zu viel von ihrem Leben preisgaben und angeblich mit religiös-mytischen und erotischen Motiven überladen waren.
Nikolai Gumiljow, mit dem sie acht Jahre verheiratet gewesen war, wurde drei Jahre nach ihrer Scheidung erschossen, wegen Aktivitäten, die gegen Stalin gerichtet waren.
- Nein, du wirst nicht wieder wach
Dort im Schnee, nie mehr
Bajonette zwanzigfach
Fünfmal das Gewehr. -
Auch ihr Sohn Lew, der auch gegen Stalin rebellierte, wurde mehrmls verhaftet.
Anna Achmatowa wartete in dieser Zeit in langen Warteschlangen vor dem Gefängnis.
Für sie war es der reinste Horror, da sie jederzeit mit dem Todesurteil ihres Sohnes rechnen musste.
In der Zeit schrieb sie folgendes:
- In den schrecklichen Jahren des Justizterrors unter Jeshow habe ich siebzehn Monate mit Schlangestehen in den Gefängnissen von Leningrad verbracht. Auf irgendeine Weise "erkannte" mich einmal jemand. Da erwachte die hinter mir stehende Frau mit blauen Lippen, die meinen Namen natürlich nie gehört hatte, aus jener Erstarrung, die uns allen eigen war, und flüsterte mir ins Ohr die Frage (dort sprachen alle im Flüsterton):
"Und sie können dies beschreiben?"
Und ich sagte:
"Ja"
Da glitt etwas wie ein Lächeln über das, was einmal ihr Gesicht gewesen war. -
In diesen paar Zeilen wird deutlich, warum das russische Volk sie so sehr verehrte, sie schrieb auf, was sie fühlte, wie sie gelitten hatte,wie der Terror Stalins sie fertig machte und mit dem konnten sich viele selbst identifizieren, denen das gleiche Leid zugefügt wurde. In einer Zeit, wo sie auf die Hilfe anderer angewiesen war, wo sie in der Wohnung ihres dritten Ex-Ehemannes Nikolai Punin leben musste, mit seiner anderen Ex-Frau und deren Tochter, wo die Atmosphäre natürlich angespannt war und wo sie sich fast nur von Brot und Tee ernährte.
Später lebte sie dann bei Ossip Mandelstam in Leningrad, wo sie auf dem Sofa schlafen musste.
Als ihr Sohn in ein nördlicheres Lager verlegt wurde, musste sie sich für ihren Sohn bei Bekannten Mütze, Schal und Stiefel zusammenbetteln, um diesen dort vor dem Erfrieren zu retten.
In dieser Zeit wünscht sie sich den Tod:
- Du kommst ja doch einmal - so komme jetzt zu mir
Ich kann mein Schicksal nicht mehr tragen.
Ich hab' das Licht gelöscht. Ich öffne Dir die Tür. -
In einem anderen Gedicht bittet sie darum:
- Wenn man mir einstmal ein Denkmal baut,
dann soll dies nicht in einem Park geschehen,
sondern in dem Gefängnishof,
in dem ich hunderte von Stunden gewartet habe,
um Nachrichten über das Schicksal meines Sohnes zu erfahren.
Mein Denkmal soll auch den schwarzen Gefängnis-LKW sehen können, der die Häftlinge abtransportiert, es soll Zeuge des Leids der Angehörigen sein. -
Der Gedichtsband "Aus sechs Büchern", der nachdem Druckverbot 1940, das von Stalin selbst kam, rausgekommen war, wäre beinahe der Grund mehrerer Prügeleien in den Läden gewesen - trotz des langen Druckverbotes.
Nach mehreren Hetzkampagnen gegen sie, wurde sie 1946 aus dem sowjetischen Schriftstellerverband ausgeschlossen.
Als sie 1950 für die Zeitschrift Ogonjok arbeitete, erschienen plötzlich von ihr Lobgedichte auf Stalin, die allerdings erpresst wurden.
Nach Stalins Tod ging es langsam für Anna Achmatowa wieder Berg auf.
1962 sollte sie den amerikanischen Dichter Robert Frost empfangen:
- Bei mir zu Hause durfte ich ihn doch nicht empfangen. Das Potjomkinische Dorf wurde in der Datschka des Akademiemitglieds Alexjew errichtet.
Ich weiß nicht mehr, woher man diese feine Tischdecke, das Kristall geholt hatte. Ich wurde festlich frisiert, elegant gekleidet..... und dann erscheint ein alter Mann. Ein amerikanischer Opa, aber so einer, wissen Sie, der schon langsam zu einer Oma wird: rötliche Backen, weiße Haare, sehr munter. Wir sitzen nebeneinander in Korbsesseln, man legt uns allerlei Leckerbissen vor, schenkt uns verschiedene Weine ein. Wir unterhalten uns in aller Ruhe. Aber ich denke immerzu: Du, mein Lieber, bist also ein Nationaldichter, jedes Jahr, jedes Jahr bringt man deine Bücher heraus, und natürlich gibt es bei dir keine Gedichte, die nur "für die Schublade" geschrieben werden. Alle Zeitungen und Zeitschriften rühmen dich, in den Schulen hören die Schüler von dir, der Präsident empfängt dich als Ehrengast. Dir sind alle denkbaren Ehrungen, Reichtum und Ruhm zuteil geworden. Und ich? Welche Hunde hat man nicht auf mich gehetzt!
In welchem Dreck hat man mich nicht getreten?!
Alles gab es - Armut, Elendsschlangen vor den Gefängnissen, Angst, Gedichte, die man nur auswendig kannte, nur im Kopf hatte, und verbrannte Gedichte.
Demütigungen und Leid... Nichts von all dem weißt du und würdest es auch nicht verstehen, wenn ich davon erzähle... Aber nun sitzen wir nebeneinander, zwei alte Menschen in Korbsesseln. So als ob es keinen Unterschied gäbe. Und das Ende wird für uns beide das Gleiche sein. Aber vielleicht ist der Unterschied auch nicht so groß? -
1964 erhielt sie den Ätna-Taormina-Preis,
1965 die Ehrendoktorwürde der Universität Oxfrd und war zu dem noch für den Literaturnobelpreis nominiert. Sie wurde auch wieder in den Schriftstellerverband aufgenommen, aus dem sie Jahre zuvor ausgeschlossen wurde, sie wurde sogar Vorsitzende dieses Verbandes.
Am 5.März 1966 starb Anna Achmatowa dann schließlich in einem Erholungsheim in Domodedowo bei Moskau.
- Ich geh' dahin, wo wir nichts mehr erwarten
Wo, der uns lieb war, nur als Schatten weht,
Wo still im Windhauch liegt ein stummer Garten
Und wo der Fuß auf kalter Stufe steht. -